Unter den besten 50 Wettkämpfern aller Zeiten – mit mindestens 8534 Punkten (Februar 2020) – sind nur zwei Länder so oft vertreten, dass man sie als typische Zehnkampfnationen bezeichnen darf: Deutschland (13) und die USA (9). Alle anderen Nationen brachten höchstens zwei oder drei Ausnahmeathleten ins Ranking, das bis ins Jahr 1976 (Bruce Jenner) zurückreicht. Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn man die Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften betrachtet. Die USA schafften es am besten, die Sportler zum richtigen Zeitpunkt in Höchstform zu bringen. An Olympischen Spielen holten sie 14 von 24 Goldmedaillen und mit total 27 Podestplätzen mehr als ein Drittel aller Medaillen, bei Deutschland waren es elf Medaillen (inkl. Christian Schenk). Neun von 17 Weltmeistertiteln gingen in die USA (insgesamt 11 Medaillen), zwar nur zwei Titel nach Deutschland, das aber alles in allem am meisten WM-Medaillen holte (12), vier Titel bzw. sechs Medaillen erkämpften sich die beiden Einzelathleten Tomáš Dvořák und Roman Šebrle in die Tschechoslowakei. Zwei weitere Einzelathleten – Mike Smith und Damian Warner – holten zwar keine WM-Titel, doch fünf Medaillen für Kanada.

Ehrgeiz ist eine Grundvoraussetzung, dass man Leistung auf diesem Weltklasse-Niveau erbringen kann. Mein ganzes Leben ist ein wenig ein Wettkampf. Bereits als Kind wollte ich überall der Beste sein. Das macht mich zu einem gewissen Teil auch aus. Mittlerweile habe ich einen gesünderen Ehrgeiz entwickelt. Gleichzeitig ist mein Ehrgeiz jedoch meine Antriebsfeder und massgeblich verantwortlich dafür, wo ich heute als Athlet stehe.

Früher konnte ich nicht gut mit Niederlagen umgehen. Da war der Umgang mit mir nicht einfach. Wenn ich nicht gewonnen oder keine neue Bestzeit realisiert hatte, dann hat es sich in Enttäuschung, Trauer und Wut ausgedrückt. Mit zunehmender Reife habe ich auch verstanden, dass ich nicht bei jedem Start eine Bestzeit erzielen kann und ich kann auch einmal verlieren, und dennoch das Positive eines Wettkampfs sehen.

Wenn ein Jugendlicher an eine Sportschule geht, wie in meinem Fall an die Sportschule Appenzellerland, bekommt er automatisch und unabhängig von der Sportart eine gewisse Struktur mit auf den Weg, die er ganz einfach befolgen muss. Aber damit hatte ich nie ein Problem. Für mich war stets klar, dass ich am Mittwochnachmittag ins Training gehe und nicht mit den Kollegen abhänge. Und am Wochenende war ohnehin Wettkampf. Ich habe kein einziges Mal gedacht, ich wäre jetzt lieber im Ausgang. Ich habe schliesslich für den Wettkampf trainiert. Deshalb fiel es mir leicht, nach dieser Struktur zu leben. Dazu kam der Ehrgeiz, stets der Beste sein zu wollen.

Bei einem Sprung auf über 8 Meter trifft man den Balken perfekt, hat eine höhere Position in der Luft. Auch wenn ich letztlich für weniger als eine Sekunde abhebe, fühlt es sich ein wenig wie Fliegen an.

Es ist sehr, sehr auf meine Ansprüche und Defizite personalisiert. So kann man äusserst zielorientiert trainieren und die bestmöglichen Fortschritte erzielen. Es wird von den Trainern auch gut darauf geachtet, dass mit dem entstehenden Aufwand nicht zu viel Energie verbraucht wird. Kurze Wege, wenig Zeitverlust, gute Infrastruktur. Ich bin ein Mensch, der sich in einer harmonischen Gruppe wohlfühlt und wir pflegen im Appenzellerland schon einen sehr familiären Umgang. Man versteht sich auch jenseits der reinen Beziehung Trainer und Athlet. Ich bin nicht ein Sportler, der ins Training kommt und dort zwei Stunden Ruhe und höchste Konzentration fordert. Bei uns wird zwischendurch ein wenig geredet und gespasst. Genau das macht es aus, dass es für mich noch immer stimmt. Für mich ideal.

Ich träume durchaus vom Sport und es ist schön zu sehen, wenn sich aus Träumen realistische Ziele ergeben. Ich träume schon länger von einer Olympiamedaille, auch heute noch. Auch wenn man den 8.45-m-Sprung sieht und sich denkt, diese Höhe würde auch noch für einiges mehr reichen, beginnt man davon zu träumen, es wäre cool, als erster Mensch neun Meter weit zu springen. Auch solche Gedanken kommen zusammen mit der Euphorie und dem Übermut. Ich würde nicht Nein sagen, wenn ich der erste 9-Meter-Springer wäre. Auch im Zehnkampf träume ich von den 9000 Punkten. Ich bin schliesslich erst 22 Jahre alt und habe noch genügend Zeit, um mich zu entwickeln und meine Träume zu realisieren.

Ich selbst denke und rede manchmal gross. Ich verstelle mich nicht, denn meine Ziele sind hoch. Bisher hat mir das nicht geschadet. Klar muss ich letztlich realistisch sein, aber ein wenig übermütig darf ich auch sein. Um an die Weltspitze zu gelangen, muss man gross denken. Es geht nicht anders.

Ich bin eine ziemlich offene Person, habe keine Vorurteile und wenig Mühe, mich schnell mit anderen Menschen zu verstehen. Ich habe gerne Aufmerksamkeit – auch auf dem Wettkampfplatz. Die Aufmerksamkeit ist auch ein Lohn für alles, was ich in diesen Sport investiere. Mir gefällt es sehr.

Die beiden Brüder Karl (TV Teufen) und René Wyler (Sportschule und Sportleistungszentrum Appenzellerland) wurden 2020 von Swiss Athletics für ihre professionelle, langjährige und engagierte Förderung junger Athletinnen und Athleten mit dem Titel Leichtathletik-Trainer des Jahres 2020 ausgezeichnet. Karl und René Wyler sind seit mehreren Jahren das erfolgreiche Trainer-Duo an meiner Seite. Zur erfolgreichen Zusammenarbeit der beiden Brüder gehört eine klare Aufgabenteilung. Karl hat ein akribisches Auge, mit dem er Abläufe optimieren kann. René ist der exakte Planer, sei es beim Erstellen von Trainingsplänen oder im Krafttraining. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden analysiert und umgesetzt. Diese gegenseitigen Ergänzungen spiegeln sich auch in der symbiotischen Zusammenarbeit von Sportschule und Sportleistungszentrum Appenzellerland sowie dem lokalen Leichtathletik-Verein TV Teufen. Die aktuellen Erfolge sind nur möglich durch optimale Arbeit an beiden Orten. Sportschule und Sportleistungszentrum legen die Basis, im Verein wird dies im Training und an Wettkämpfen erfolgreich umgesetzt. Das akribische Grundlagentraining setzt einen starken Verein voraus, damit Spitzenleistungen möglich sind.

Ich bin im Jahr 2000 geboren und darum mit den sozialen Medien aufgewachsen. Auf Instagram kann ich mit Fotos den Kontakt zu meinen Freunden und Bekannten und vielleicht auch Fans aufrechterhalten, meine sportliche Entwicklung dokumentieren und vielleicht die eine oder andere Geschichte über mich erzählen. Wichtig dabei: ein Augenzwinkern.

Ursprünglich wurde der Zehnkampf an einem einzigen Tag durchgeführt (siehe auch Erste Wettkämpfe), schon bald aber wurden die zehn Disziplinen in der immer gleichen Reihenfolge auf zwei Tage verteilt. 100-Meter-Lauf, Weitsprung, Kugelstossen, Hochsprung und 400-Meter-Lauf am ersten Tag, 110-Meter-Hürdenlauf, Diskuswurf, Stabhochsprung, Speerwurf, 1500-Meter-Lauf.

Der erste offizielle Zehnkampf mit den heutigen Disziplinen fand am 15. Oktober 1911 an einem einzigen Tag statt und wurde vom Schweden Hugo Wiesland für sich entschieden. In Amerika wurden ähnliche Wettkämpfe bereits seit den 1880er-Jahren ausgetragen und 1904 sogar an den Olympischen Spielen in St. Louis durchgeführt, allerdings mit amerikanischen Längeneinheiten. z.B. 100 Yards (91,44 m) statt 100 Meter sowie teilweise anderen Disziplinen wie Gehen oder Hammerwerfen.

In der griechischen Antike war der Pentathlon – das bedeutet «Fünf Wettkämpfe» – sehr populär. Er beinhaltete die Disziplinen Speer, Diskus, Sprung, Lauf und Ringen. Daraus entwickelten sich in der Moderne drei Hauptformen: der Militärische Fünfkampf (Schiessen, Werfen, Hindernisbahnlauf, Hindernisschwimmen und Laufen), der von Pierre de Coubertin, dem Gründer der neuen Olympischen Spiele, ins Leben gerufene Moderne Fünfkampf (Pistolenschiessen, Degenfechten, Schwimmen, Springreiten und Querfeldeinlauf) sowie der Fünfkampf in der Leichtathletik. Von 1912 bis 1924 war der Fünfkampf neben dem Zehnkampf Bestandteil der Olympischen Spiele und umfasste die Disziplinen Weitsprung, Speerwurf, 200-Meter-Lauf, Diskuswurf und 1500-Meter-Lauf.

Der Mehrkampf der Frauen – griechisch Heptathlon – besteht aus sieben Disziplinen, die an zwei Tagen ausgetragen werden. In der heutigen Form wird er seit 1981 durchgeführt, am ersten Tag mit 100-Meter-Hürdenlauf, Hochsprung, Kugelstossen und 200-Meter-Lauf, am zweiten Tag mit Weitsprung, Speerwurf und 800-Meter-Lauf. Weltrekordhalterin ist die Amerikanerin Jackie Joyner-Kersee (7291 Punkte am 24. September 1988). Den Schweizer Rekord hält seit dem 21. Juli 2017 Géraldine Ruckstuhl mit 6357 Punkten. In der Halle tragen die Frauen Fünfkämpfe aus, im Freien gibt es vereinzelt auch Frauen-Zehnkämpfe. In der Halle bestreiten die Männer auch Siebenkämpfe. Am 2. Februar 2020 in Magglingen wurde ich Schweizer Meister im Hallensiebenkampf und erzielte mit 5915 Punkten einen neuen Schweizer Rekord.

Diese treffende Bezeichnung wurde erstmals 1912 anlässlich der Olympischen Spiele in Stockholm benutzt – vom schwedischen Monarchen Gustav V. Damals wurde der Amerikaner Jim Thorpe Olympiasieger, der sowohl den Fünfkampf als auch den Zehnkampf gewann. Er bestritt den allerersten Zehnkampf seines Lebens, in Ersatzschuhen, weil ihm seine kurz Wettkampfbeginn gestohlen wurden. Dem Indianer wurden die Titel nachträglich aberkannt, weil er gegen den Amateurstatus verstossen habe: 1909/10 hatte er bei einigen Baseballspiele für jeweils zwei Dollar Gage mitgemacht.

«Erfolge im Zehnkampf sind wie ein guter Wein: Wenn man einmal einen guten Wein getrunken hat, möchte man sich mit einfachem Tafelwein nicht mehr zufriedengeben. Und wenn man einmal gewonnen hat, will man jeden Tag gewinnen», sagte der französische Zehnkampf Europameister von 1990 Christian Plaziat.

«Es fühlt sich an, als würde man von einem Baum fallen und dabei noch von jedem Ast geschlagen werden», sagte mit Asthon Eaton einer der erfolgreichsten Zehnkämpfer aller Zeiten über seinen Zustand nach den zehn Disziplinen.

Zehnkampf ist eine harte Sache, aber für einen Zehnkämpfer gibt es Schlimmeres. «Der Marathon ist ein Biest», sagte der amerikanische Zehnkämpfer Bryan Clay nach seinem ersten Marathon auf Hawaii.

Der Mehrkampf hat 2015 Eingang in die Schriftenreihe des Europäischen Instituts für Sozioökonomie gefunden. Das Fazit einer von Michael Fröhlich, Freya Fröhlich, Eike Emrich herausgegebenen empirischen Studie zur Strukturanalyse des Mehrkampfes in der Leichtathletik: Die sportliche Leistung im Siebenkampf der Frauen und im Zehnkampf der Männer setzt sich additiv aus den Leistungen der Einzeldisziplinen zusammen. Diese gehen jedoch nicht gleichgewichtet in das Gesamtwettkampfergebnis ein, sondern werden stark durch «Sprint-Sprung» und «Kraft-Wurf» Leistungen determiniert. Die Ausdauerdisziplinen 800-m-Lauf und 1500-m-Lauf stehen insgesamt in keinem engen Zusammenhang mit der Siebenkampf- und Zehnkampfleistung. In der Allzeitbestenliste sind sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern die «Sprint-Sprung-Typen» auf den vorderen Plätzen zu finden.

Der Amerikaner Bob Matthias (1948 und 1952), der Brite Daley Thompson (1980 und 1984) sowie der 2017 zurückgetretene Amerikaner Asthon Eaton (2012 und 2016) gewannen jeweils an zwei Olympischen Spiele die Goldmedaille.

Zwei Zehnkämpfer holten sich bislang drei Weltmeistertitel in Folge: zuerst der Amerikaner Dan O’Brien in den Jahren 1991, 1993 und 1995, danach der Tscheche Tomáš Dvořák in den Jahren 1997, 1999 und 2001. Während sich der Amerikaner 1992 in Barcelona Olympiagold holte, musste sich an Olympischen Spielen mit einer Bronzemedaille begnügen. 1999 verpasste es Dvořák zudem, bei seinem Weltrekord in Prag, als Erster die 9000-Punkte-Grenze (nach neuer Zählung) zu übertreffen, weil er auf der Zielgeraden zu früh zu jubeln begann. Er ist damit nicht nur einer der erfolgreichsten Zehnkämpfer, sondern auch einer der grössten Pechvögel.

(nach heutiger Bewertung)

Der erste offizielle Weltrekord wurde 1922 vom Esten Aleksander Klumberg-Kolmpere mit 6162 Punkten erzielt. Mehr als 7000 Punkte erreichte 1934 der Deutsche Hans-Heinrich Sievert, mehr als 8000 Punkte 1963 der Taiwanese Yang Chuan-Kwang, mehr als 8500 Punkte 1976 der Amerikaner Bruce Jenner und mehr als 9000 Punkte 2001 der Tscheche Roman Šebrle. Aktueller Rekordträger ist der Franzose Kévin Mayer mit 9126 Punkten (16.09.2018).

Grundsätzlich geht man bei der Punktebewertung des Zehnkampfes davon aus, dass der Weltrekord in jeder Disziplin 1200 Punkte ergibt, zusammen demnach 12 000 Punkte. Zählt man die Weltrekorde der zehn Disziplinen nach der Punktebewertung von 1985 zusammen, so kam man im Jahr 2012 auf 12 544 Punkte und im Jahr 2020 auf 12575 Punkte. Nimmt man die Rekorde innerhalb eines Zehnkampfes zusammen, so kommt man auf ein theoretisches Ergebnis von 10371 Punkten. Tatsächlich liegt der aktuelle Weltrekord des Franzosen Kevin Mayer vom 16. September 2018 bei 9126 Punkten. Zwar hat es im Disziplinen-Durchschnitt noch Luft nach oben – 344,9 Punkte im Vergleich zu den Weltrekorden und 124,5 Punkte im Vergleich zu den Zehnkampf-Disziplinen-Rekorden –, doch gleichzeitig erkennt man, welch fantastische Leistung der 28-jährige Franzose erbracht.

Das Talent des Franzosen Kevin Mayer, geboren am 10. Februar 1992 in Argenteuil, zeichnete sich schon früh ab. Bei den Jugendweltmeisterschaften 2009 gewann er den Achtkampf, bei den Juniorenweltmeisterschaften 2010 den Zehnkampf und bei den Junioreneuropameisterschaften 2011 den Zehnkampf. Mit 20 Jahren belegte er an den Olympischen Spielen 2012 in London den 15. Platz. Im folgenden Jahr gelang ihm an der Weltmeisterschaft in Moskau mit Rang 4 und 8446 Punkten der Durchbruch, und ein weiteres Jahr später holte er sich an der Europameisterschaft in Zürich mit 8521 und Silber die erste Medaille an einem internationalen Titelkampf. Nach einem verletzungsbedingten Zwischenjahr war er an den Olympischen Spielen 2016 in Rio an der Weltspitze angelangt und holte mit nun bereits 8834 Punkten die Silbermedaille. 2017 wurde er, mit einer tieferen Punktzahl, in London Weltmeister. 2018 gab Mayer an der Europameisterschaft in Berlin nach verpatztem Weitsprung, um dann am 26. September im französischen Talence mit 9126 Punkten den bisherigen Weltrekord um 81 Punkte auf 9126 Punkte zu verbessern. Dabei gelangen ihm drei persönliche Bestleistungen (Stabhochsprung, Weitsprung, Speerwurf). 2019/2020 ist ihm die Bestätigung seines Exploits noch nicht gelungen. Neue persönliche Bestleistungen über 100 Meter, 110 Meter Hürden und Kugelstossen deuten aber an, dass er an einem guten Tag durchaus wieder in die Nähe seines Weltrekordes kommen kann.

Eigentlich nur eine kleine Marktgemeinde im Vorarlberg und sie ist seit 1975 die Welthauptstadt der Mehrkämpfer. Daley Thompson (1980 und 1982) sowie Roman Šebrle stellten im Möslestadion neue Weltrekorde auf. Der Tscheche durchbrach 2001 mit 9026 Punkten als erster Athlet die magische Grenze von 9000-Punkten und wurde erst 2012 vom Amerikaner Ashton Eaton übertroffen. 

In zwei Tagen Wettkampf kommt man sich näher, und man steht die Höhen und Tiefen nur durch, wenn man sich gegenseitig Respekt entgegenbringt. Der 21-jährige deutsche Nachwuchsathlet Frank Busemann beispielsweise lag an den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta zwischenzeitlich 100 Punkte vor dem späteren Olympiasieger Dan O’Brien – und befürchtete vor seiner schwächsten Disziplin, dem Kugelstossen, eine psychologische Kriegsführung seitens des Amerikaners. Doch dieser sagte ihm freundschaftlich: «He, du hast so gut angefangen, du kannst dir das jetzt nicht alles versauen. Du musst ein bisschen mehr aus den Beinen rauskommen, dann klappt das.»

Wegen der ausserordentlich hohen körperlichen Belastung griffen Zehnkämpfer und ihre Trainer und Sportverbände früher nicht selten auf unerlaubte Substanzen zurück. Der (ost)deutsche Olympiasieger von 1988 Christian Schenk gab 20 Jahre später, auch aufgrund psychischer Probleme, den Gebrauch von Doping zu. Er war nicht der einzige Dopingsünder, doch sind heute die Anstrengungen für einen sauberen, fairen Zehnkampfsport gross.

Neben dem 110-Meter-Hürden-Lauf ist der Zehnkampf die einzige Leichtathletikdisziplin, die an internationalen Wettkämpfen nur von Männern bestritten wird. Die Frauen tragen stattdessen einen Siebenkampf aus. Seit 2004 finden aber auch Frauen-Zehnkämpfe statt, und die IAAF registriert – etwas halbherzig – Weltrekorde im Frauen-Zehnkampf. Rekordhalterin ist seit 2005 die Litauerin Austria Skujyte.

Die Punktzahlen früherer Wettkämpfe lassen sich nur bedingt mit den heutigen vergleichen. Es existieren Bewertungstabellen von 1912, 1920, 1936, 1952, 1964 und 1985. Dabei wurde auch die Gewichtung der einzelnen Disziplinen verändert. Insgesamt sind die heutigen Punktzahlen höher einzustufen: Bei der elektronischen Zeitmessung fällt die menschliche Reaktionszeit weg, so dass die Läufe zwei bis drei Zehntelsekunden länger dauern. 1986 wurde beim Speer aus Sicherheitsgründen der Schwerpunkt verändert, so dass sie weniger weit fliegen.

Im Training lassen sich gewisse Grundlagen trainieren wie Bewegungsmuster, einzelne Disziplinen. Aber ich bin ein Wettkampftyp und kann meine Leistung im Wettkampf meist steigern. Dies bedeutet auch, dass ich im Training kaum je an meine Bestleistungen herankomme.

sechsfacher Schweizer Meister im Zehnkampf, erzielte 1988 in Götzis mit 8244 Punkten die bis zu meinen Schweizerrekorden 2022 in Ratingen und in Götzis (8'377 Punkten) höchste Schweizer Marke mit dem 1986 eingeführten, weniger weit fliegenden Speer. Gähwiler nahm zweimal an Olympischen Spielen teil und belegte 1988 in Seoul den 12. Platz. Seine Paradedisziplin war der 1500 Meter Lauf.

Am 25. Mai 1935 übertraf der Amerikaner Jesse Owens im Weitsprung erstmals die 8-Meter-Marke. Mit seinem Jahrhundertsprung verbesserte der Amerikaner Bob Beamon am 18. Oktober 1968 mit 8,90 Meter den bestehenden Weltrekord um 55 Zentimeter. Erst 1991 wurde er nach 23 Jahren von einem weiteren Amerikaner, Mike Powell, mit 8,95 Meter übertroffen.

Seit 1985, als die neue Punktewertung eingeführt wurde, gewannen insgesamt 21 Athleten einen Schweizer Meistertitel. Sieben Sportlern gelang dies mehrmals, allen voran Beat Gähwiler (6 Titel), Jonas Fringeli (4 Titel) sowie David Gervasi (3 Titel). Je zweimal gewannen Mirko Spada, Rolf Schläfli, Adrian Krebs und nun, nach den Siegen 2019 und 2020, auch ich selbst. Der Schweizer Meistertitel bedeutet mir viel. Deshalb zählen die Schweizer Meisterschaften auch in Zukunft zu meinen Saisonhöhepunkten.

Mit 8.45 Meter im Weitsprung im Rahmen des Zehnkampfs in Götzis (2022) habe ich meinen in Ratingen aufgestellten Weltrekord im Zehnkampf noch einmal um 15 cm verbessert. Mit dieser Weite hätte ich an den Olympischen Spielen 2008, 2012, 2016 und 2021 jeweils die Goldmedaille gewonnen. Entsprechend gross war meine Freude, als ich dann die Weite in Götzis bestätigt erhielt.

Die Olympischen Spiele 2024 in Paris sind mein grosses Ziel. Nach den Sommerspielen 2021 war mir klar: Ich setze alles darauf, 2024 in Paris dabei zu sein. Es tat auch gut, zu sehen, dass ich bei Olympia nicht einfach dabei gewesen wäre, sondern durchaus auch vorne hätte mitmischen können. Das gab nochmals einen Schub, um mir vorzunehmen, in Paris ganz vorne zu landen.

In England bezeichnet man den Zehnkampf als decathlon. Das geht direkt auf die griechische Bezeichnung Dekathlon zurück, welches man mit «zehn Heldentaten» übersetzen kann. Im Französischen und Italienischen ist es dasselbe: Die Athleten bestreiten einen décathlon beziehungsweise eine decathlon.

Ich betreibe den Zehnkampfsport, weil ich ihn liebe. Sind Erfolge nebensächlich? Nein, als Leistungssportler setzt man sich Ziele, um sich zu motivieren. Und Erfolge sind ein Beweis dafür, auf dem richtigen Weg zu sein. Gemerkt, dass es wirklich gut läuft, war so als 16-Jähriger. Damals kamen die ersten nationalen Medaillen und Einsätze bei Grossanlässen. Später kam die Medaille an der Nachwuchs-WM. Ab dann war für mich klar, dass ich an jedem Grossanlass eine Medaille gewinnen will. Ich wollte bereits im Nachwuchs stets der Beste in meiner Altersklasse sein.

Von der Sporthilfe ich, wie viele andere Nachwuchssportler auch, wertvolle moralische und finanzielle Unterstützung. Darauf bin ich angewiesen, dafür bin ich dankbar. Dankbar auch allen Schweizerinnen und Schweizern, welche die Sporthilfe unterstützen, Sportlern zu helfen.

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