Schwaegalp2022Wenige Tage vor meinem Abflug in die Vereinigten Staaten hielt ich auf der Schwägalp am Fusse des Säntis das US-Wappentier, den Weisskopfseeadler Jocho, auf dem ausgestreckten Arm. Wenn du Auge in Auge mit dem Greifvogel bist und der dich mit seinem kalten Blick aus 30 Zentimetern Distanz anschaut, ist das ein mulmiges Gefühl, aber eine gute Vorbereitung für eine Weltmeisterschaft, bei der es gilt, im entscheidenden Moment den maximalen Fokus zu finden und die Chance zu packen, die sich dir bietet. Jocho brachte mir Glück!

Vor meinem Abflug in die USA wusste ich, dass die Qualifikation die grosse Hürde sein wird. An dieser Hürde möchte man als Jahresweltbester im Weitsprung nicht scheitern. Dies wäre eine grosse Enttäuschung gewesen. Ich wusste, klappt es mit der Qualifikation, dann wird im Finale alles möglich sein. Als Zehnkämpfer bin ich es mir gewohnt, wie in der Qualifikation nur drei Versuche zu haben. Es braucht aber auch immer ein wenig Glück, dass man den Balken optimal trifft. Ziel war es in Absprache mit meinem Trainer Karl Wyler, die Qualifikation aggressiv anzugehen. Wir vertrauten darauf, dass ich bei den drei Versuchen den Balken mindestens einmal treffe, da ich derzeit sehr stabil anlaufe. Letztlich habe ich dann die Qualifikation mit dem dritten Versuch und einer Weite von 8.09 als Vierter überstanden.

In der Vorbereitungswoche in den USA hatten wir noch Hürdengymnastik gemacht, Kugelstossen und Diskus trainiert und nur gerade sechs Weitsprünge mit vollem Anlauf absolviert – mit Augenmerk auf Technik und Absprung. Am Schluss ist dann mit der Bronzemedaille alles aufgegangen. Ich bin vollkommen glücklich! An Meisterschaften zählen letztlich nur die Medaillen und nicht die Weite. Und mit dieser Medaille kann ich auch ein wenig Leichtathletik-Geschichte mitschreiben. Weltweit bin ich der erste Mehrkämpfer, der es bei den Spezialisten auf das Podest geschafft hat. Wie selten Schweizer Medaillengewinne bei Weltmeisterschaften sind, zeigt zudem ein Blick in die Geschichtsbücher. Nach Kugelstösser Werner Günthör (3x Gold), 800-m-Läufer André Bucher (1x Gold), Langhürdler Marcel Schelbert (1x Bronze) und Marathonläufer Viktor Röthlin (1x Bronze) bin ich erst der fünfte Schweizer Mann, der WM-Edelmetall gewinnt und der erste, dem dies im Weitsprung gelungen ist.

Gefeiert habe ich diese Medaille in Eugene dann im kleinen Kreis. Zuerst wurde ich vom Schweizer Team mit Applaus in der Unterkunft empfangen. Dann ging ich zum Abendessen und im Anschluss haben ich den Abend mit meinem Trainer Karl Wyler ausklingen lassen. Sehr gefreut habe ich mich am Dienstagmorgen über den Empfang nach meiner Rückkehr am Flughafen in Zürich. Als WM-Medaillengewinner in Zürich zu landen, fühlt sich grossartig an.

Derzeit erhole ich mich noch ein wenig, dann folgen die nächsten Trainingseinheiten. Die Saison ist ja noch nicht zu Ende und mein Hunger ist noch nicht gestillt. Am Samstag folgt ein Abstecher in die Kybun-Lounge beim FC St. Gallen. Es folgen dann intensive Einheiten in Stuttgart und St. Moritz und der Feinschliff in Teufen als Vorbereitung für die EM in München. Ab sofort gilt mein ganzer Fokus wieder dem Zehnkampf. Ferien sind erst für September geplant.

 

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